Warum es modern ist, an Gott zu glauben…

Πιστεύομεν εἰς ἕνα Θεόν, Πατέρα, Παντοκράτορα, ποιητὴν οὐρανοῦ καὶ γῆς, ὁρατῶν τε πάντων καὶ ἀοράτων·” … Mit diesen Zeilen kann in der heutigen Zeit kaum mehr jemand etwas anfangen. Übersetzt man sie ins Deutsche, kommen sie einigen aus der Schulzeit noch bekannt vor, der Beginn des Nicäno-Konstinopolitanums.


(Quelle: www.brigitte.de)

An Gott zu glauben, vielleicht sogar sein Leben ganz in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen, scheint heutzutage vielen nicht nur nicht mehr zeitgrmäß zu sein, sondern sogar vollkommen an Realität und Zeitgeist vorbei zu gehen.

Kirche muss nicht cool, hipp oder krass sein” habe ich heute in der Tagespresse gelesen und mir dabei gedacht, das stimmt nicht ganz. Natürlich sind Gott, die Kirche und der Glaube eine sehr ernste Sache, die sogar vom Grundgesetz geschützt wird. Für viele Menschen mag der Glaube die letzte Zuflucht sein, um mit der ständig wachsenden Entropie in der Welt klar zu kommen. Gott kann Vergebung der Sünden gewähren, Gott kann seine schützende und allmächtige Hand über uns halten. Aber muss das alles den Charakter eines formellen Aktes haben, muss das alles ernst, bieder und konservativ sein? Darf und kann ein Leben im und für den Glauben nicht auch unglaublich viel Spaß machen?

Es ist nur eine Religion, aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben” sagte einst Imanuel Kant. Es kann also auch den unbeschwerten, den fröhlichen, den jungen, modernen Glauben geben, der der Welt mit Aufgeschlossenheit, mit Toleranz und Güte die Skepsis vor der Zukunft nimmt. Es mag vor allem für junge Menschen schwer sein, in einer von Missbrauchsfällen gezeichneten Kirche Hoffnung zu sehen; es mag ihnen, den Jungen, seltsam anmuten, von einer Institution, die Homosexualität für eine Krankheit hält, die Sex vor der Ehe und Abtreibungen ablehnt, eine Perspektive für die Zukunft zu erwarten. Doch die Kirche ist mehr als die Summe ihrer Fehler. Die Kirche, das sind wir alle, die Gemeinschaft der Gläubigen und Glaubenden, die Kirche ist ein modernes Wunder, verletzlich und anfällig für Schwächen. Aber die Gemeinschaft in Form der Kirche bietet jedem Menschen Halt, auch denen, die nicht glauben, weil Gott für alle Menschen da ist. Der Glaube an einen Gott kann Milliarden von Menschen unter seinem Dach einen, allein das ist ein Wunder, zumindest eines im weltlichen Sinne. Die Kirche, das sind wir Menschen, und Menschen machen Fehler. Aber was wären wir Menschen ohne Fehler? Wüssten wir überhaupt, was richtig ist, wenn es das Falsche nicht gäbe?

Jesus hat das Reich Gottes verkündet, doch was kam, war die Kirche“; diese Aussage wird dem französichen Theologen Alfred Loisy zugeschrieben. Was zunächst wie eine Kritik an der Institution Kirche klingt, beschreibt zugleich Faszination und Mythos des Glaubens. Gott hat den Menschen sein Reich als Erbe hinterlassen, er hat ihnen alle Anlagen geschaffen, sein Reich in seinem Sinne fortzuführen; nicht ein einzelner sollte Gottes Nachfolge antreten, sonder alle Menschen, geeint im Glauben an ihren Schöpfer. Aus Gottes Reich wurde also die Kirche, das von den Menschen verwaltete Reich des Schöpfers. Moderner, oder um es treffender zu sagen, demokratischer kann ein Zusammenschluss von Menschen kaum sein. Und wohl auch kaum gerechter? “Mir gefällt der Gedanke, dass der Allmächtige ein schlechtes Gedächtnis hat. Sobald er dir vergeben hat, vergisst er’s. Weil er glücklich ist zu vergeben. Für mich reicht das“, sagte Papst Franziskus im November 2016 in einem Interview. Er will den Gläubigen damit auf den Weg geben, dass wir uns und die Kirche nicht an den begangenen Fehler messen sollten; Fehler kann man vergeben und vergessen. Aber das Glück, das wir anderen mit der Vergebung schenken, das bleibt.

Mich stört der Gedanke, dass wir eine göttliche Gemeinschaft aufgeben aus Zorn und Verachtung über Inquisition oder Missbrauchsvorfälle. All das waren unbenommen schreckliche Taten, aber eine Institution ist nur so stark wie das schwächste ihrer Mitglieder. Ich würde nicht ohne Gott, ohne Kirche, ohne Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten, ohne einer moralischen Instanz leben wollen, nach der wir uns richten können.


(Quelle: www.kljb-muenster.de)

Gerade in der heutigen Zeit, wo uns politisch und gesellschaftlich so vieles trennt, brauchen die Menschen wieder eine Gemeinsamkeit, die sie darauf besinnen lässt, dass sie in Gottes Angesicht alle gleich sind. Ob wir Gott dabei in einer Kirche nahe sind, in der Natur oder lediglich im Geiste, das spielt keine Rolle, die Kirche selbst ist nur das Symbol für etwas viel höheres, für etwas besonderes, für etwas, dass den Menschen seit 2000 Jahren eine verlässliche Quelle der Zuflucht und Nächstenliebe bietet.

Denn der Felsen, auf den Jesus Christus seine Kirche baute (vgl. Mt 16, 19), das war nicht Petrus, sein Nachfolger als Stellvertreter Gottes, allein; der Felsen, auf dem die Gemeinschaft aller Menschen gebaut wurde, sind die Menschen selbst; und dieser Felsen kann nur mit Liebe, Zusammenhalt und Verbundenheit gepflegt werden, gerade in der modernen Zeit voller Krisen und Schwächen.

Warum die Demokratie verlernt, demokratisch zu sein..

Die Demokratie soll die beste aller schlechten Staatsformen sein, darüber wurden wir schon vor langer Zeit belehrt. In jüngster Zeit wird die Demokratie allerdings auf eine harte Probe gestellt. Lange Jahre war man in Deutschland bemüht, eine Nation der politischen Mitte zu sein, keine politischen Extreme erstarken zu lassen und das Land “am Laufen” zu halten.

Doch in jüngerer Zeit haben sich die Probleme, vor die wir gestellt werden, stärker verändert als bisher. Natürlich sind hier die Eurokrise, der Pflegenotstand, die dringend notwenigen Investitionen in Bildung, die Überalterung der Gesellschaft, die Mängel am Sozialsystem und vieles andere zu nennen; was aber die Gemüter derzeit vor allem erregt, ist die Flüchtlingskrise. Ja, es ist eine immense Herausforderung an die Politik, mit den Menschenmassen umzugehen, die nach Deutschland kommen, ja, die gegenwärtigen Parteien bieten dazu wohl keine optimalen Lösungsansätze. Eine nahezu bedingungslose Abschiebung, wie die CSU sie fordert, ist genauso falsch und realitätsfremd, wie die bisherigen Versuche, ein Einwanderungsgesetz zu schaffen.

Diese Problematik ruft nun neue politische Kräfte auf den Plan, allen voran die Alternative für Deutschland (AfD). Ohne das wertend verstehen zu wollen, muss man sagen, dass damit eine Partei in den Fokus des politischen Lebens rückt, die sich am rechten Rand des demokratischen Spektrums bewegt. Man mag von dieser Strömung und dieser Ideologie so wenig halten wie ich, wir sind aber dennoch gehalten, solange die AfD zum politischen Spektrum Deutschlands gehört,  uns demokratisch, das heißt, auch rechtstaatlich damit auseinanderzusetzen.

Anmerkung: Es gab bisher in der Bundesrepuplik nur zwei Parteien, die vom Bundesverfassungsgericht tatsächlich verboten wurden, 1952 die Sozialistische Reichspartei (SRP) und 1956 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Ein Versuch, die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) zu verbieten, ist Anfang 2017 zum zweiten Mal gescheitert.

Nun lese ich vor Kurzem einen Artikel im Stern, der anprangert, übermäßig viele Mandatsträger der AfD wären Ziel strafrechtlicher Verfolgung geworden. Im ersten Moment dachte ich zugegeben auch, da erwischt es sicher keinen Falschen. Ich war ein Stück weit erfreut darüber, dass es diesen doch so ungeliebten Rechtspopulisten jetzt auch an Kragen geht. Doch dann habe ich den Artikel ein zweites und ein drittes Mal gelesen und mich meiner juristischen Ausbildung besonnen. Dabei kam mir eine Frage auf…

Was steht im Stern denn überhaupt?

Und die Antwort ist eigentlich sehr simpel. Der Stern listet eine Reihe von Straftaten auf, derer eine gewisse Zahl von Mandatsträgern der AfD beschuldigt werden soll. Titel und äußerer Anschein des Textes sollen dabei offen den EIndruck verstärken, dass dies vor allem in der AfD und nicht in anderen Parteien so wäre.

Doch an sich sagt die “Beweisführung” des Stern nichts aus. Dazu fehlen Vergleichszahlen. Es fehlen die absoluten Mitgliederzahlen der AfD, es fehlen die Zahlen aller anderen Parteien. Es fehlen die konkreten Bezugspunkte der Straftaten, ob sie also dem privaten oder politischen Lebensbereich zuzuordnen sind. Erst auf Basis dieser Informationen lässt sich eine belastbare Aussage über die voranschreitende Kriminalisierung der AfD treffen, oder es lässt sich diese Annahme eben auch ablehnen – in dubio pro reo.

Doch warum passiert soetwas dem Stern, der eigentlich weiß, wie Journalismus funktioniert? Weil er einer Emotion anheim gefallen ist, die beherrschend wird, nämlich die, alles was nicht in unser Bild von Welt, Politik und Demokratie passt, von vornherein zu diskreditieren, um garnicht den Anschein des vermeindlich Guten aufkommen zu lassen. Wir leben aber nunmal in einer Demokratie, in der die Unschuldsvermutung gerade auch für unsere Gegner gilt. Unrecht lässt sich nicht mir Unrecht bekämpfen, das sollte uns die Vergangenheit gelehrt haben. Wir erleben momentan die vermutlich längste Friedensperiode auf dem Gebiet der Bundesrepublik, das zu bewahren und unseren Staat nicht von innen heraus nachhaltig zu beschädigen, sollte unsere größte Maxime sein. Gerade unsere politischen Feinde, gerade die Extreme müssen wir mit Wahrheit, mit innerer Einheit auf einer Ebene von Sachlichkeit und Argumenten in die Bedeutungslosigkeit treiben.

Die AfD nicht als Alternative für unser Land, sondern als Gefahr zu sehen, ist das eine, das ist die emotionale Wahrheit; daraus aber eine faktische Wahrheit frei von allen begründeten zweifeln zu machen, das ist eine Aufgabe des Rechtstaats.

Aber dass die Regeln unseres Rechts nur dann Sinn machen, wenn sie vor allem auch für unsere Feinde gelten, dass Politik oft wenig mit Moral, sondern sehr viel mit Wahrheit und mit Fakten zu tn hat, das hat die Demokratie verlernt, sie hat verlernt, demokratisch zu sein.

Europa

Europa, die europäische Idee… Bereits seit der Antike haben diese Worte etwas faszinierendes an sich, stehen für etwas außergewöhnliches.

Papst Franziskus sagte jüngst: “Europa ist heute multipolar in seinen Beziehungen und seinen Bestrebungen; Europa ist weder denkbar noch konstruierbar, ohne diese multipolare Wirklichkeit von Grund auf anzunehmen.” Er wollte damit auf die Einzigartigkeit der europäischen Idee hinweisen, die nur dadurch überleben kann, das Menschen verschiedenster Herkunft miteinander auskommen.

Doch was macht das Besondere an Europa aus? Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält?

Einen Einstieg in die Beantwortung dieser Frage mag villeicht die Trauerrede bieten, die Olaf Scholz im Zuge des Staatsaktes für Helmut Schmidt hielt.

Olaf Scholz spricht dort ein englischsprachiges Medium an, das den Verstorbenen als ‘erleuchteten’ Europäer bezeichnete. Er hält dies für einen Fehler in der Übersetzung des englischen ‘enlightened’, was vielmehr ‘aufgeklärt’ heiße. Und genau das, die Idee der Aufklärung in der Moderne, die Idee der aufgeklärten Gemeinschaft ist es meiner Meinung nach, was Europa ausmacht.

Was [also] ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?” (Papst Franziskus) Warum steckt unser Europa momentan mehr denn je in einer Krise, in einer wirtschaftlichen, einer politischen, aber ebenso in einer wertebezogenen Krise? Um das wirklich beantworten zu können, muss man sich zunächst mit dem befassen, was die Ideale der Aufklärung in der heutigen Zeit noch bewirken können. Aufklärung kann in der Politikwissenschaft als relativ klar umrissener zeitlicher Begriff verstanden werden, der eben denjenigen Zeitraum beschreibt, in dem die Grundlagen für unser heutiges modernes Zeitalter gelegt werden. Europa also als Vorbereiterin für neues. Wir müssen uns also zunächst gewahr werden, welche Aufgaben auf Europa zukommen werden. Wem hier die finanzielle Lage vor allem südeuropäischer Nationen einfällt, wer an den deutlichen politischen Rechtsruck, punktuell gar die Entmachtung oberster Verfassungsgerichte, in einigen osteuropäischen Ländern denkt, wer den Brexit vor Augen hat und ebenso die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, Schottlands, teilweise auch der Flandern und Wallonen, wer an die nicht abnehmende Zuwanderung denkt, die Versuche, das mehr als kryptische Wahlrecht zu vereinfachen, wer wirtschaftspolitische Begriffe wie Staatsanleihen, Finanztransaktionssteuer oder Leitzins in den Ohren hat, der erkennt dabei zwar die populärste Seite der europäischen Krise, gleichzeitig aber auch nur die Spitze des Eisbergs.

Woran es wirklich fehlt, das ist eine gemeinsame Europäische Identität, ein aufklärerischer Geist, der Wille aller europäischen Völker, die EU nicht als Problem sondern als Chance zu begreifen, als Chance, der Zukunft zu begegnen. Bereits Konrad Adenauer hat formuliert: “Unser Ziel ist es, daß Europa einmal ein großes, gemeinsames Haus für die Europäer wird, ein Haus der Freiheit.” An dieser Stelle wird langsam auch erkennbar, warum Europa die Aufklärung braucht, warum die Europäer von einem gemeinsamen aufklärerischen Geist beseelt sein müssen, um Europa in die Zukunft zu führen. Probleme, die mit dem Gedankengut von heute entstanden sind, müssen mit neuen, mit re-aufgeklärten Gedanken gelöst werden.

Europa kann uns Europäer weiter bringen, Europa muss sogar als Chance begriffen werden, vielleicht sogar als einzige Chance, den Problemen der Zukunft zu trotzen. Aber nur ein reformiertes, nur ein aufgeklärtes, nur ein geeintes Europa der Mitte kann den inneren und äußeren Widerständen etwas entgegen halten. Prof. Dr. Karl Lauterbach schrieb im Europa-Wahlkampf 2019 “Gerechtigkeit und Freiheit müssen immer wieder neu verteidigt werden. Gegen Gier und Nationalismus gerade heute” und gibt damit Mahnung und Rat zugleich – den Rat für Gerechtigkeit und Freiheit einzutreten, aber auch die Mahnung, das gerade nicht auf Kosten anderer zu tun und in einen Nationalismus zu verfallen, der die eigene Nation vorläufig stärken, aber am Ende alle schwächen mag.