Joe Biden ist zum Präsidenten gewählt – Beginn und Ende eines Kampfes zugleich

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen Präsidenten gewählt. Mit so vielen Stimmen wie noch nie wurde Joe Biden zum 46. Präsidenten gewählt.

Nicht weniger spannend als die Wahl selbst war die Präsidentschaft von Donald Trump und sein vergebener Versuch, die Demokratie zu unterwandern und durch Lügen, Extremismus, Rassismus und Narzissmus seine eigene Wiederwahl zu sichern. Donald Trump schien zu glauben, Corona zu ignorieren, Despoten auf seine Seite zu ziehen, treue Verbündete vor den Kopf zu stoßen und die Situation des eigenen Landes durch den Bau einer Grenzmauer zu Mexiko nicht unbedingt zu stabilisieren, würde die Wählergunst auf seine Seite ziehen. Mit einem bei dieser Vorgeschichte sogar beachtlichen Stimmenanteil ist er gescheitert.

Der SPIEGEL, die ZEIT und die Tagesschau, um nur einige zu nennen, haben sich mit den Nachwehen dieses Politkrimis befasst. Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass Donald Trump seine Niederlage vorerst freiwillig nicht eingestehen wird, beabsichtigt, sich gegen seine Niederlage gar juristisch zur Wehr zu setzen, und es zu befürchten steht, dass er auch die Transition Joe Bidens, also die Zeit bis zum 20. Januar, in der der president elect sich auf seinen Amtsantritt thematisch wie personell vorbereiten kann, sabottieren will.

Spannender als diese zwischenmenschlichen Kriegsschauplätze finde ich jedoch die Stimmen aus der deutschen Bevölkerung zur Wahl. Legt man das Augenmerk auf meine Heimatstadt Schwandorf, erkennt man sehr rasch, dass auch hierzualnde die Wahlen in den USA die Bevölkerung spalten. In einer für Schwandorfer Themen einschlägigen Facebook-Gruppe äußerte sich beispielsweise Hubert Heinzl, Redakteur der Mittelbayerischen Zeitung, zur Wahl in den USA. Zunächst gewohnt zurückhaltend stufte er die Wortmeldungen aller Seiten als lesenswert wert, um aber dann doch ins Detail zu gehen, und die Tragik der Person Trumps hervorzuheben. Ich selbst habe ausführlich dargelegt, in Anlehnung an Lichtenbergs Aussage “Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, um besser zu werden” vertrete ich die Meinung, dass Amerika als westliche Vorzeige-Demokratie einen Machtwechsel braucht, um weiter bestehen zu können. Andere Schwandorfer loben Trump sogar dafür, keine militärischen Auseinandersetzungen begonnen zu haben, verkennen dabei aber, dass dies häufig nicht ihm zu verdanken war, sondern der Weitsicht anderer. Die ZEIT lobte im vergangenen Jahr gar den kühlen Kopf des iranischen Staatspräsidenten. Weiterhin wird auch in Schwandorf Trumps Verhalten in der Corona-Krise gelobt; das Paradoxon hierbei ist, dass dieses Nicht-Handeln von genau den Leuten als Argument pro Trump angeführt, die auch hierzulande von den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung wenig halten und dagegen lauthals wettern.

Momentan bleibt nicht mehr als abzuwarten. Die USA, allen voran der Supreme Court, müssen zeigen, ob sie wirklich die Vorzeigejustiz westlicher Demokratien sind, für die sie sich gemeinhin ausgeben. Es bleibt abzuwarten, ob es noch eine wehrhafte Demokratie gibt, eine Bevölkerung, die sich traut, auch für die Werte einzutreten, die sie gewählt hat. Sollten die USA begreifen, dass nicht nur das Ansehen eines Amtes, sondern gar die Seele einer Nation auf dem Spiel steht, gibt es noch Anlass zu berechtigter Hoffnung, dass die Transition Joe Bidens friedlich und erfolgreich über die Bühne geht. Joe Biden ist jemand, der mit altersbedingter Weitsicht und Milde das Land wieder einen kann. Sofern man Joe Biden sein gesetzliches Recht zugesteht, die Ressourcen seines Landes für die Vorbereitung seiner Regierungszeit nutzen zu können, kann auch der Scherbenhaufen aus 4 Jahren trump überwunden werden.

Bezeichnend für den anstehenden Wechsel in den USA ist es jedenfalls, dass mittlerweile sogar der Sender FOX News, der jahrelange Hofberichterstatter Trumps, vom Präsidenten abrücken.

Mit auf den Weg geben möchte ich all jenen, die mit Spannung die kommenden Wochen verfolgen, abschließend eine Aussage Sloterdijks: “In jedem Europäer steckt noch immer ein Goldsucher, der von Kolumbus gelernt hat, dass man ein Indien sucht und ein Amerika findet.”

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