Europa

Europa, die europäische Idee… Bereits seit der Antike haben diese Worte etwas faszinierendes an sich, stehen für etwas außergewöhnliches.

Papst Franziskus sagte jüngst: “Europa ist heute multipolar in seinen Beziehungen und seinen Bestrebungen; Europa ist weder denkbar noch konstruierbar, ohne diese multipolare Wirklichkeit von Grund auf anzunehmen.” Er wollte damit auf die Einzigartigkeit der europäischen Idee hinweisen, die nur dadurch überleben kann, das Menschen verschiedenster Herkunft miteinander auskommen.

Doch was macht das Besondere an Europa aus? Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält?

Einen Einstieg in die Beantwortung dieser Frage mag villeicht die Trauerrede bieten, die Olaf Scholz im Zuge des Staatsaktes für Helmut Schmidt hielt.

Olaf Scholz spricht dort ein englischsprachiges Medium an, das den Verstorbenen als ‘erleuchteten’ Europäer bezeichnete. Er hält dies für einen Fehler in der Übersetzung des englischen ‘enlightened’, was vielmehr ‘aufgeklärt’ heiße. Und genau das, die Idee der Aufklärung in der Moderne, die Idee der aufgeklärten Gemeinschaft ist es meiner Meinung nach, was Europa ausmacht.

Was [also] ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?” (Papst Franziskus) Warum steckt unser Europa momentan mehr denn je in einer Krise, in einer wirtschaftlichen, einer politischen, aber ebenso in einer wertebezogenen Krise? Um das wirklich beantworten zu können, muss man sich zunächst mit dem befassen, was die Ideale der Aufklärung in der heutigen Zeit noch bewirken können. Aufklärung kann in der Politikwissenschaft als relativ klar umrissener zeitlicher Begriff verstanden werden, der eben denjenigen Zeitraum beschreibt, in dem die Grundlagen für unser heutiges modernes Zeitalter gelegt werden. Europa also als Vorbereiterin für neues. Wir müssen uns also zunächst gewahr werden, welche Aufgaben auf Europa zukommen werden. Wem hier die finanzielle Lage vor allem südeuropäischer Nationen einfällt, wer an den deutlichen politischen Rechtsruck, punktuell gar die Entmachtung oberster Verfassungsgerichte, in einigen osteuropäischen Ländern denkt, wer den Brexit vor Augen hat und ebenso die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, Schottlands, teilweise auch der Flandern und Wallonen, wer an die nicht abnehmende Zuwanderung denkt, die Versuche, das mehr als kryptische Wahlrecht zu vereinfachen, wer wirtschaftspolitische Begriffe wie Staatsanleihen, Finanztransaktionssteuer oder Leitzins in den Ohren hat, der erkennt dabei zwar die populärste Seite der europäischen Krise, gleichzeitig aber auch nur die Spitze des Eisbergs.

Woran es wirklich fehlt, das ist eine gemeinsame Europäische Identität, ein aufklärerischer Geist, der Wille aller europäischen Völker, die EU nicht als Problem sondern als Chance zu begreifen, als Chance, der Zukunft zu begegnen. Bereits Konrad Adenauer hat formuliert: “Unser Ziel ist es, daß Europa einmal ein großes, gemeinsames Haus für die Europäer wird, ein Haus der Freiheit.” An dieser Stelle wird langsam auch erkennbar, warum Europa die Aufklärung braucht, warum die Europäer von einem gemeinsamen aufklärerischen Geist beseelt sein müssen, um Europa in die Zukunft zu führen. Probleme, die mit dem Gedankengut von heute entstanden sind, müssen mit neuen, mit re-aufgeklärten Gedanken gelöst werden.

Europa kann uns Europäer weiter bringen, Europa muss sogar als Chance begriffen werden, vielleicht sogar als einzige Chance, den Problemen der Zukunft zu trotzen. Aber nur ein reformiertes, nur ein aufgeklärtes, nur ein geeintes Europa der Mitte kann den inneren und äußeren Widerständen etwas entgegen halten. Prof. Dr. Karl Lauterbach schrieb im Europa-Wahlkampf 2019 “Gerechtigkeit und Freiheit müssen immer wieder neu verteidigt werden. Gegen Gier und Nationalismus gerade heute” und gibt damit Mahnung und Rat zugleich – den Rat für Gerechtigkeit und Freiheit einzutreten, aber auch die Mahnung, das gerade nicht auf Kosten anderer zu tun und in einen Nationalismus zu verfallen, der die eigene Nation vorläufig stärken, aber am Ende alle schwächen mag.

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